Presse
Aktuelles vom Gesunden Niederösterreich
(07. Mai 2009)
Weltweit erster Kongress für Gesundheitsvorsorge in Baden
Angesicht der rasanten Entwicklung der Präventionsmedizin und der damit verbundenen Ausgaben setzt das Land Niederösterreich jetzt als erstes österreichisches Bundesland umfassend auf gesundheitsökonomisch evaluierte und evidenzbasierte Gesundheitsförderung und Prävention. In Kooperation mit der Donau- Universität Krems wird derzeit einerseits ein eigenes, auf die niederösterreichischen Vorsorge-Projekte zugeschnittenes Evaluierungsmodell entwickelt. Andererseits will Niederösterreich von weltweiten Experten lernen: Vom 24. bis 26. Juni findet dazu in Baden der Kongress „EUFEP“ statt, der erstmals Gesundheitsförderung und Prävention an zahlreichen Best – Practice - Beispielen zeigt und international zur Diskussion stellt.
Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten dazu Landeshauptmannstellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka, der wissenschaftliche Leiter des EUFEP-Kongresses, Prof. Dr. Gerald Gartlehner, MPH, und Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie an der Donau-Universität Krems sowie die australische Gastdozentin Dr. Kylie Thaler.
Die Liste der niederösterreichischen Vorsorge-Projekte ist lang:
„Gesunde Gemeinden“, „Gesunde Schulen“, das Kindergartenprojekt „Apollonia 2020“- Kariesvorsorge für Kinder , der Vorsorgepreis, „Tut gut“ Wanderwege mit eigenen Wanderkarten, „Tut gut“ Wirte, die auf gesunde saisonale, regionale und biologische Küche setzen, „Durch Dick und Dünn“- Gesundheitsprogramme für übergewichtige Kinder, „Bewegte Klasse“ in Grundschule und Sekundarstufe, , die Vortragsreihe „Treffpunkt Gesundheit“ in den NÖ - Landeskliniken, Vitalküche, Kinderkochbücher und ein gebündeltes Anreizsystem zur Vorsorgeuntersuchung, zahlreiche Bücher und Broschüren, die Hilfestellung geben zu gesunder Bewegung, gesunder Ernährung und mentaler Gesundheit – Die Gesundheitsförderungs- und Präventionsprogramme in Niederösterreich haben sich in den letzten Jahren dynamisch erweitert und laufend kommt Neues dazu.
Das Konzept für Gesundheitsförderung und Prävention scheint oberflächlich betrachtet sehr einfach zu sein: Erkrankungen können durch Gesundheitsförderung vermieden oder durch gezielte Untersuchungen im Frühstadium entdeckt und behandelt werden. Was auf den ersten Blick so einfach und logisch aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als komplex und herausfordernd. Und die wirksamsten präventiven Maßnahmen, körperliche Bewegung und ausgewogene Ernährung – sind gleichzeitig am schwersten umzusetzen.
Niederösterreich will daher verstärkt diesen immer wichtiger werdenden Bereich der Gesundheitsvorsorge wissenschaftlich begleiten und auswerten. „Gemeinsam mit der Donau-Universität verfolgen wir das Ziel, Gesundheitsförderungs- und Präventionsprogramme in Niederösterreich wissenschaftlich zu untersuchen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Sicherheit und Kosteneffizienz,“ sagt Niederösterreichs LH-Stv. Mag. Wolfgang Sobotka.
Maßgeschneidertes Evaluierungsmodell für Niederösterreich
Die australische Gastdozentin Dr. Kylie Thaler stellt dazu ein neues gesundheits-ökonomisches Evaluierungsmodell vor, das von internationalen Standards ausgeht, im Detail aber exakt auf niederösterreichische Bedürfnisse maßgeschneidert wurde. Erste Ergebnisse beispielsweise anhand der Wirksamkeit des Programmes „Vorsorge aktiv“ erwarten sich die Wissenschaftler innerhalb der nächsten Wochen.
Lernen von den Besten
Wichtige Entscheidungs-Hilfe für die Zukunft ist auch der Blick über die Grenzen hinaus in jene Länder, die seit Jahren ihre Erfahrungen mit Gesundheitsförderungs- und Präventionsprogrammen präsentieren wie die USA, England oder Skandinavien. Eine Reihe von Best-Practice-Beispielen stellt daher der erste internationale Kongress für Evidenzbasierte Gesundheitsförderung und Prävention zur Diskussion. „EUFEP“ erwartet vom 24. bis 26. Juni in Baden die weltweit führenden Experten aus den Bereichen Screening, Gesundheitsförderung, Gesundheitsökonomie und Patienteninformation.
Dass man bei wissenschaftlichen Untersuchungen nie vor Überraschungen sicher ist, zeigt Prof. Dr. Gerald Gartlehner, MPH, am Beispiel des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kontrollierten Ergebnisses von 76 Studien der Anti-Raucher-Kampagne an Schulen auf. Alle Studien waren sich darin einig, dass die üblichen Raucherkampagnen an Schulen letztlich nichts bringen: „Nach knapp einem halben Jahr rauchen wieder alle wie vorher,“ erläutert Gartlehner.
„Die Konsequenz darf allerdings nicht heißen, nichts zu tun, sondern sich der Herausforderung zu stellen und wirksamere Methoden zu entwickeln,“ so Gartlehner.
Wissenschaftlich basierte Patienteninformation notwendig
Der Erfolg von Gesundheitsförderung und Präventionsprogrammen hängt eng zusammen mit einer effizienten und unabhängigen Patienteninformation, die es derzeit in Österreich noch nicht gibt. Auch hier unterstreichen Beispiele die Notwendigkeit von Lobbys unbeeinflusster, wissenschaftlich basierter Information.
Das Programm „10.000 Steps“ gilt beispielsweise als eines der nachweislich wirksamen Projekte der Gesundheitsförderung. Ziel des Programms ist es, dass TeilnehnmerInnen mindestens 10.000 Schritte pro Tag gehen und somit die eigene körperliche Aktivität erhöhen. Die Idee kommt ursprünglich aus Japan wurde aber erstmals in Australien auf ihre Wirksamkeit evaluiert. Das „10.000 Steps“ Programm findet sich mittlerweile auch in England, Kanada, Neuseeland Deutschland und in den Vereinigten Staaten.
Die Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme am Projekt „10.000 Steps“ ist ein Schrittzähler, der die ausgeführten Schritte misst und dadurch ermutigen soll eine Steigerung der körperlichen Aktivitäten vorzunehmen. Diese zusätzliche Bewegung kann in das tägliche Leben integriert werden (z.B. Stiegen statt Lift) und benötigt keine spezielle Ausrüstung oder Fähigkeiten.
Eine systematische Übersichtsarbeit von 2007 wies nach, dass der Gebrauch eines Schrittzählers mit einer signifikanten Steigerung körperlicher Aktivitäten und einer deutlichen Verminderung des Body-Maß-Indexes, sowie des Blutdrucks verbunden werden konnte.
Das Land Niederösterreich lädt Interessierte zum Kongress ein. Erläutert werden unter anderem Fragen wie: Welche Screening-Programme sind unter gesundheitsökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll? Und welche Präventions- und Gesundheitsförderungsmassnahmen halten einer wissenschaftlichen Evaluierung stand? Der Kongress richtet sich daher an Entscheidungsträger im österreichischen Gesundheitswesen, an Organisationen und Unternehmen im Gesundheitswesen, interessierte ÄrztInnen, TherapeutInnen und PflegerInnen sowie an Wissenschaftler, Medien und interessierte Menschen generell.
Nähere Informationen und Anmeldungen
unter www.eufep.at oder unter der Wiener Telefonnummer: 01/58804-0.

